Probefahrt mit dem Dacia Sandero…

Auf der Suche nach einem neuen Auto habe ich einige Autos Probe gefahren. Darunter auch den aktuellen Dacia Sandero. Ich muss noch voranstellen: Ich habe den Dacia nur einmal Probegefahren und dass nur für einige wenige Kilometer. Daher ist mein Eindruck bestenfalls oberflächlich. Dennoch möchte ich meine kurzen Eindrücke hier schildern.

Warum ein Dacia Sandero? Als ein Auto, dass sich als Preisgünstigstes Auto Deutschlands positionieren möchte, kann der Sandero doch nur ein praktisches Vehikel sein, oder etwa nicht?

Generelles zum Dacia Sandero

Der Sandero hat 5 Ausstattungsvarianten und 4 Motorisierungen. Das finde ich im Vergleich zu anderen Herstellern ziemlich übersichtlich. Die aktuelle Variante finde ich vom Aussehen her ok. Ja es gibt schönere Autos, aber der Dacia soll ja ein „Brot-und-Butter“-Auto sein.

Die Unterschiede der Ausstattungsvarianten sind auf der Modellseite des Herstellers sehr schön aufgeführt. Ich möchte jedoch nicht zu viel auf die „Möglichen Konfigurationen“ eines Dacia Sandero eingehen, sondern lieber Konkreter auf das von mir gefahrene Modell eingehen. Daher machen wir nun recht schnell weiter im Text.

Mein ausgewählter Dacia Sandero – die Fakten

Ich hatte mir ausgewählt einen Perlmuttschwarz lackierten Dacia Sandero in der Ausstattungsvariante Lauréate mit der Motorvariante: TCe 90 (66 kW / 90 PS).

Als Extra kamen hinzu das Navi inkl. Europakarten, das Easy-Paket (bestehend aus: Tempopilot, Lederlenkrad und Mittelarmlehne) und Einparksensoren hinten.

Da sich der Dacia Sandero, wie der Verkäufer sagte: „Wie geschnitten Brot verkauft“, gab es trotz mehrerer Versuche meinerseits, keinerlei Rabattangebote vom Händler.

Die weiteren technischen Daten sind wirklich gut auf der Herstellerseite zu finden.

Warum dieser Motor? Warum nicht den kleineren vermeintlich sparsameren Motor?

Im Gespräch mit dem Verkäufer ergab sich mir dann folgendes Bild: Der 55kW (75PS) Benzinmotor mit 1149cm³ Hubraum ist wohl ein älterer Saugmotor ohne Turbolader. Entsprechend durstig und durchzugsschwach, mit seinen 107Nm Drehmoment, das erst bei 4250 Umdrehungen anliegt, scheint er wohl auch zu sein. Den Spritverbrauch gibt der Hersteller hier mit 7,6l innerorts, 4,9l außerorts und kombiniert mit 5,8l pro 100km an.

Der von mir gewählte Tce90 mit 66kW (90PS) ist aus dem aktuellen Renault Clio und ein feiner Moderner Downsizing Motor mit Turbolader. Hier hat man zwar nur 898cm³ Hubraum, jedoch durch den Turbolader liegen die ganzen 135Nm Drehmoment bereits bei 2500 Umdrehungen an. Der Tce90 fährt sich also spritziger und verbraucht durch seine modernere Technik auch noch weniger Sprit. Den Spritverbrauch gibt der Hersteller hier mit 6,0l innerorts, 4,3l außerorts und kombiniert mit 5,0l pro 100km an.

Immerhin, beide Motoren erfüllen die Euro 5 Abgasnorm. Da der Tce also Spritsparender ist und auch noch mehr Fahrspaß zu versprechen scheint, war die Wahl also einfach. Zum Abschluss noch: Ein Dieselmotor würde sich bei meinen Fahrleistungen mit meinem Privatauto nicht lohnen.

Mein Eindruck vom Innenraum

Die ersten Gedanken wären: „Huch, der ist aber überraschend groß, so von innen!“. Dicht gefolgt von: „Oha, das Material sieht aber sehr billig aus!“. Alle Hebel sahen nach billigen Plastik aus und die Bedienhebel der Klimaanlage fand ich persönlich besonders filigran. Ich könnte mir gut vorstellen, dass diese ggf. nach einiger Zeit den Geist aufgeben, auch wenn mir der Händler hinterher versicherte:“Noch kein Kunde hätte sich über abgebrochene Schalter beschwert.“.

Das Raumgefühl war jedoch auf den vorderen, wie auch hinteren Sitzen wirklich gut. Bei meiner Körpergröße von 175cm bin ich jedoch auch nicht überdurchschnittlich groß.

Ganz negativ fand ich den störenden Plastikgeruch im Innenraum. Igitt, da kann ich nur hoffen, dass sich das mit der Zeit bei einem Dacia Sandero gibt. Kann sein, dass dies nur mein Modell hatte, aber der Geruch war prägnant und störend die ganze Fahrt über da.

Das Plastik der Türverkleidung, um den Schalthebel herum und auch die Mittelarmlehne waren gefühlt wirklich billig und fühlten sich anfällig für Kratzer an. Die Konsole selbst und das Navi hingegen hatten eine bessere Qualität. Ich vermute mal, da merkt man hier stark, welche Teile aus dem Renault Regal kommen und welche direkt selbst von Dacia gefertigt werden.

Die Sitze waren bequem, bieten jedoch nicht besonders viel Seitenhalt. Der Fahrersitz ist manuell in der Position (nach vorne, nach hinten), in der Höhe verstellbar und die Neigung der Rückenlehne lies sich einstellen. Jedoch fand ich rasch eine bequeme Sitzposition. Das Radio/Navi war bei meiner Fahrt nicht benutzbar, da für die Probefahrt wohl die SD-Karte und der Freischalt-Code fehlte. Schade…

Ungeschickt sind die Tasten für die elektrischen Fenster vorne platziert. Diese befinden sich tatsächlich an der Mittelkonsole unterhalb des Navigationssystems. Man sucht also, bis man die Knöpfe gefunden hat. Nichts für intuitive Benutzung…

Den Kofferraum empfand ich als ausreichend groß. Laut Hersteller passen hier 300 Liter hinein. Legt man die geteilten Sitze um so kann man bis zu 1200 Liter zu laden. Dummerweise habe ich das während der kurzen Probefahrt nicht gemacht, so dass ich gar nicht sagen kann ob man eine ebene Ladefläche hat oder nicht.

Mein Fahreindruck

Ehrlich, es macht Spaß mit dem Dacia zu fahren. Die Lenkung war zwar nicht 100%ig direkt, man hatte also ein klein wenig Spiel beim Lenken, aber ich hatte stets ein gutes Fahrgefühl und Rückmeldung von der Straße.

Der Motor ist ein kleines Highlight im Dacia. Spritzig und ganz ohne Probleme fuhr ich im Stadtverkehr mit. Selbst auf der Autobahn waren Überholmanöver kein Problem und ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, den Verkehr zu behindern. Der Fahrkomfort empfand ich als ziemlich gut. Auch wenn das Fahrwerk ruhig etwas straffer sein dürfte. Jedoch, ich hatte nicht das Gefühl, das Fahrwerk wäre zu schwammig oder dass der Dacia sich gleich zur Seite legt, wenn es auch mal flott um die Kurven ging.

Der Motor war fast immer hörbar. In der Stadt ist das noch in einer akzeptablen Lautstärke und auf der Autobahn wird das ganze Fahrzeug ab ca. 120 km/h recht laut. Das ist natürlich nur mein sehr subjektiver Eindruck, aber ich glaube die Geräuschdämmung, hätte man deutlich besser machen können.

Die Bremse funktionierte einwandfrei und auch beim starken Bremsen verzog der Dacia nicht nach links oder nach rechts. Spurtreu war er also bei meinen zwei Versuchen.

Das Auto ist nach vorne hin sehr übersichtlich, jedoch nach hinten hatte ich das Gefühl nicht genau bestimmen zu können, wo der Sandero aufhört. Parksensoren wären für mich hier also sowieso Pflicht gewesen.

Anmerkung -> Was mir besonders aufgefallen ist:

Warum erwähnt keiner, dass beim Sandero keinerlei Intervall-Blinker vorhanden sind. Also Blinker antippen und wohlfühlen… Nein, nicht beim Sandero. Das ist zwar nicht „Pflicht“, gehört jedoch für mich zu einem modernen Auto dazu.

Was ich eher noch schlechter finde: Auch die Scheibenwischer haben keinen variablen Intervall… Das bedeutet die Scheibenwischer haben 1 Stellung für „Ich-wische-mal-so-alle-7-sekunden“ und Dauer wischen… Dazwischen NICHTS. Das mag bei einem alten Gebrauchtwagen ok sein oder bei einem Auto aus den 90igern.
Das störte mich beim Dacia Sandero doch stark. Auf meine Rückfrage sagte mir der Händler, dass selbst beim Renault Clio, erst in der höchsten Ausstattungsstufe ein Intervall-Wischer dabei wäre und beim Dacia Sandero halt gar nicht.

Ich kann mich ja mit vielem Anfreunden, z.b. dass es gar keine Comfort-Klimaautomatik gibt, sondern nur eine manuelle Klimaanlage. Aber Blinker und Scheibenwischer… das würde mich vermutlich täglich ärgern und war dann auch einer (aber nicht der Einzige) der Punkte, warum ich mir dann doch keinen Sandero bestellt habe.

Fazit

Der Dacia konnte mich nicht überzeugen. Die Verarbeitung, z. B. Plastik, ungünstige Schalterpositionen, sondern auch noch, nach eigenem Gefühl, fehlende Funktionen z. B. keine Komfortblinker oder die fehlenden Intervall-Scheibenwischer, hielten mich von einer Bestellung ab. Der Motor jedoch ist toll und fahren lässt er sich ebenfalls. Aber…

Aber er ist ja billig…

Ist der Dacia denn ein günstiges Auto? … ähm Nein, ist er nicht. Also nicht so richtig.

Während andere Hersteller und Autohändler tlw. schon recht ordentliche Rabatte gewähren, so bekommt man bei Dacia nichts.

Bei meinen Preisverhandlungen mit anderen Herstellern kam ich auf besser ausgestattete Fahrzeuge, die mit 12.500-13.000 Euro nur knapp über dem Preis des mir angebotenen Dacia Sandero lagen.

Ganz klar in der Basis-Version, oder auch Nackig-Version, wie ich Sie nenne, ist er in der Anschaffung wirklich günstig. Jedoch, Dacia hat die Service Intervalle verkürzt, so dass man mindestens einmal im Jahr eine Inspektion machen muss. Der Händler sagte mir, dass z. B. ein Renault Clio günstiger bei den Inspektionen wäre. Das war definitiv auch keine verkaufsfördernde Aussage vom Händler an mich.

Meiner Meinung nach, wäre ich mit einem guten Gebrauchten besser dran, als beim Dacia….

 

Zum Abschluss noch ein paar Bilder, die ich damals geschossen habe:

 

 

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